Bodrum - Schwamm und Schwammtaucher

Bodrum - Schwämme
Bodrum - Schwämme

“Gold aus der Tiefes des Meeres”

so heissen die wertvolle Schwämme.

İm Mai setzen die Maenner in den Dörfern der Bodrumhalbinsel die segel auf ihren kleinen booten, um 5 Monatte lang an der Westküste nach schwämmen für die Bäder der Welt zu suchen.

Das Schwammtauchen hat an den Küsten der Ägäis eine alte Tradition. Die Verwendung von Schwämmen wurde schon von Aristoteles beschrieben und von Homer in der Illias und in der Odyssee erwähnt. In Ephesus wurden kleine Schwämme in den öffentlichen Toiletten in Wasser gedränkt an langen Stangen zur Säuberung angeboten. Kurtisanen im Altertum benutzten Schwämme zur Verhütung. 

Gute Kunden der Schwammtaucher waren auch die Kreuzritter auf ihrem strapazenreichen Weg durch die raue Landschaft Anatoliens: sie unterpolsterten ihre Rüstungen mit Schwämmen, um sich vorm Aufscheuern der Haut auf ihren klapprigen Pferden zu schützen. Über Jahrhunderte konzentrierte sich die Schwammtaucherei auf die Inselgruppe des Dodekanes, und dort vor allem auf die Inseln Symi und Kalymnos und am türkischen Festland auf Bodrum, das antike Halikarnassos.

 In Bodrum hat ein Künstler den Schwammtauchern ein Denkmal aufgestellt. Und ein Taucheranzug.

 

Anfang des letzten Jahrhunderts versiegten die Schwammgründe der Ägäis und die Taucher mussten bis an die Küsten Nordafrikas fahren. Sie waren oft einen ganzen Sommer unterwegs und kamen erst im Herbst mit ihren "Ernten" zurück. Mehmet Yavas aus Bodrum erzählt, dass er in jungen Jahren mit zwei anderen Tauchern im Ruderboot bis zum Marmarameer hinaufgerudert ist, um Schwämme zu suchen. Sie ruderten frühmorgens - bevor der Wind aufkam - los, zogen gegen Mittag das Boot ans Ufer, tauchten den ganzen Nachmittag nach Schwämmen, machten zumSonnenuntergang ein Feuer am Strand, brieten den nebenbei gefangenen Fisch, und legten sich dann am Feuer nieder, um bis zum nächsten frühen Morgen zu schlafen und dann weiter zu ziehen.

Wie Lange und wie Tief konnte man so Tauchen? Nach Berichten der französischen Marine aus dem 19. Jahrhundert tauchten Schwammtaucher in Bodrum und Symi auf bis zu 70m Tiefe. Auch wurden die ersten Versuche mit luftgefüllten Schweineblasen, Schläuchen und Röhren unternommen, die aber keinen Erfolg hatten (das Boyle-Mariott'sche Gesetz war noch nicht bekannt). 

Wie gefährlich die Schwammtaucherei war, belegen die vielen humpelnden, auf Krücken daher wankenden oder im Rollstuhl sitzenden Männer, die Anfang der 90er Jahr noch auf den Inseln der Ägäis, in Bodrum (heute immer noch in Gündoğan und Yalikavak)und an anderen Orten der Küste zu sehen waren. Heute gibt es in Griechenland und in der Türkei jeweils gerade mal drei Dekompressionskammern.

Anfang des neuen Jahrhunderts ist die Schwammtaucherei eine Nebenerwerbsquelle im reichhaltigen Tourismusangebot. Es gibt noch Schwammtaucher, aber das Gewerbe hat seine großen Zeiten längst hinter sich. Kalymnos und Bodrum hat noch eine kleine Schwammtaucherflotte; angeblich werden pro Jahr noch einige Tonnen Naturschwämme aus dem Meer getaucht. İn Symi und Bozburun gibt es keine schwammtaucher Mehr, die Männer haben sich lukrativeren Geschäften zugewandt.

Fracht Gelidonya

Als ein Frachtschiff, den südöstlichen Teil der größten Insel von insgesamt fünf Inseln, die sich in Richtung Süden der im westlichsten Teil des Golfes Antalya liegenden damals „Gelidonya“ und heute „Taşlık burnu“ heißenden Landzunge reihten, passierte, zerschellte es an den vorgelagerten Felsenklippen, begann seine Fracht zu zerstreuen und versank kurze Zeit später im Meer, in dem er sich dann mit dem Heck auf einen Felsen setzte. Dieses Schiff, das im Jahre 1954 von einem Schwammtaucher aus Bodrum entdeckt wurde, liegt in einer Tiefe von 26 – 28 m. Am Ende von Forschungstauchgängen im Jahre 1960 stellte sich heraus, dass dieses Schiff aus der frühen Bronzezeit stammt. Eine weitere Eigenschaft dieser Tauchgänge ist, dass es sich hierbei um erste Unterwasserausgrabungen in der Türkei handelt, die unter der Leitung eines Taucher – Archäologen und nach den Normen von Landausgrabungen durchgeführt wurden. 
Die Schätzungen laut den Analyseergebnissen von Gestrüpp, das als Lager bzw. Schutzschicht für bzw. gegen die schwere Last auf dem Schiff vorgesehen wurde, besagen, dass dieses Schiff gegen Ende des 13. Jahrhunderts v. Chr. sank. Ein großer Teil der Überreste dieses Schiffes wurde insbesondere durch die Schiffsbohrwürmer der Art Teredo vernichtet, weil sich darauf keine Schutzschicht aus Sand oder Schlamm befand. Dennoch ist bekannt, dass die Furnierhölzer des Schiffes mit Keilnieten mit Holznageln, bekannt aus der Schiffsfertigungstechnik aus der klassischen, griechischen und römischen Zeit, aneinander genietet wurden. Doch dass das Gestrüpp, das als Schutzschicht vorgesehen wurde, um das Holz des Schiffes vor der schweren Fracht zu schützen, bis heute erhalten geblieben ist, zeigt uns auf offene Weise den Zweck des Gestrüpps, das Odysseus auf seinem selbstgebauten Schiff vorgesehen hatte. Auch wenn die Verteilung der Fracht zuvor darauf hinwies, dass das Schiff nicht länger als 10 m ist, zeigen in letzter Zeit aufgefundene Überreste des Schiffes, dass es länger ist, als angenommen. 
Ein Teil der Fracht auf dem Schiff besteht aus bronzenen Schrottwerkzeugen, die zum Zwecke des Einsatzes bei der Fertigung von Werkzeugen aus geschmolzener Bronze aus Zypern gebracht wurden, sowie aus Kupfer- und Zinnbarren für den Einsatz bei der Fertigung von neuen Bronzen. Die Bedeutung des antiken Wracks Gelidonya resultiert aus den historischen Informationen, die man während der Ausgrabungsarbeiten herausbekam. Zur Zeit der Ausgrabungsarbeiten wurde angenommen, dass in der zweiten Hälfte der frühen Bronzezeit der Meereshandel im östlichen Mittelmeer durch die mykenische Zivilisation monopolisiert worden war, und die phönizischen Seefahrer ihre berühmten Seefahrttraditionen erst in der späteren Eisenzeit erreicht hatten. Tatsächlich wurde als wichtigsten Grund dafür, dass Odyssee des Homeros durch die klassischen Sprachwissenschaftler des 20. Jhr. generell dem 8. Jhr. v. Chr. zugeordnet worden war, gezeigt, dass in dem Werk des Ofteren über die phönizischen Seefahrer und die Bronzenverarbeitung berichtet wird. Doch die Ergebnisse der Ausgrabungsarbeiten des antiken Schiffes weisen auch auf die Existenz anderer Wahrscheinlichkeiten hin. 
Anhand der während der Forschungsarbeiten im Jahre 1994 auf dem antiken Wrack Gelidonya aufgefundenen Steinhacken wird angenommen, dass dieses antike Schiffswrack aus dem Mittleren Osten stammt. Die - aus dem antiken Wrack gehievten - Artefakte werden heute in dem Unterwassermuseum von Bodrum ausgestellt.